"Das Gegengift zum ständig wechselnden modischen Habitus. Auf Dome zelebriert Enders die physische Schönheit und mystische Verklärung des reinen, für sich selbst stehenden Tons."
Intuition Records
Besetzung
Johannes Enders (Saxofon)
Micha Acher / Nils Petter Molvaer (Trompete)
Ralf Schmid / Andy Lutter (Orgel)
Stefan Schreiber (Bassklarinette)
Matthias Gmelin (Schlagwerk)
Projekte wie Enders Room und das Tied & Tickled Trio haben den Saxofonisten Johannes Enders weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt gemacht. Wenn er jetzt mit seiner CD „Enders Dome" abermals einen neuen musikalischen Raum absteckt, braucht man keine Angst zu haben, dass er sich selbst untreu wird. Schon der Titel des Albums bezieht sich auf Enders Room. Und doch ist dieser Raum ganz anders gepolt, als man es von Enders kennt. Vom ersten Ton an wird deutlich, dass er hier nach einer anderen Art von Resonanz sucht, als ihm das ein gewöhnliches Studio bieten kann. In der romanischen Kirche St. Michael im bayrischen Altenstadt fand Enders den geeigneten Raum, um dieses Vorhaben umzusetzen. Synthesen aus sakraler, europäischer Musik und Jazz bzw. improvisierter Musik gibt es zuhauf. Doch Enders ist ein Album gelungen, das hierzulande bislang einmalig ist. Konkrete und mystische Räume durchdringen einander, Seelenlandschaften gehen in den Nischen und Wölbungen der geweihten Wände auf. Die Zeit erstarrt im Raum. Enders sucht nicht nach der einfachen Übersetzung des längst Verklungenen in aktueller Musik. Ihn interessiert mehr das Alte in ihm selbst, als das Vergangene in der Geschichte.
„Mich hat schon immer der sakrale Raum fasziniert", bekennt Enders. „Man findet ja heute nur noch wenige Räume, die ein Vakuum erzeugen. Unabhängig von der Religion entfaltet jede Kirche ihren eigenen Klang. Jene alte, romanische Basilika in der Nähe von Schonau ist völlig schmucklos. Ich wollte diesen Raum schon immer ausloten. Mit John Hollenbeck und ein paar anderen Leuten im Hinterkopf habe ich Stücke geschrieben, die wir dann in zwei Sessions aufnahmen. Irgendwann entstand eine Schnittstelle zwischen dem elektronischen Kirchenraum und der Elektronik. Viele Aufnahmen habe ich im Nachhinein bearbeitet. Diese Sounds aus der Kirche brachten mich auf so viele Ideen, dass ich es schade gefunden hätte, nicht auch diesen anderen Raum zu öffnen. Da steckt sicher auch vieles von Enders Room drin, aber der Ausgangspunkt ist die Kirche."
„Enders Dome" hebt die Zeit als chronologischen Prozess auf. Johannes Enders greift zurück in eine Epoche, die weit vor allem liegt, was wir heute als Tradition begreifen. Doch er lässt sich nicht rückhaltlos in die Vergangenheit fallen, sondern entfacht einen Dialog. In dieser Hinsicht mag sein Album als Gegengift zum ständig wechselnden modischen Habitus taugen. Jedes Tröpfchen Zeitgeist, das man in diese Musik träufelt, verteilt sich in im Ozean aller Ereignisse, die je passiert sind und noch passieren werden. Die Musik ist von einer Last der Jahrhunderte geprägt, die dennoch ganz leicht wirkt. Und von einer Art Melancholie, die trotzdem nicht den Blick nach vorn verstellt. „Ich bin ja ganz offen für alle Gefühlswelten", so Enders. „Ich hatte viel Zeit, über diese Platte nachzudenken. So ein Kirchenraum hat den Vorteil, dass die Zeit stehen bleibt. Kirchen- und Klosterräume sind und waren stets Orte, an denen man nach Antworten sucht. Ich habe immer das Gefühl, dass man heute viel zu schnell seine Suche aufgibt. Das finde ich schade."
"Jazz von heute aus einem Raum jenseits der Zeit" (Magnus Reitinger, Weilheimer Tagblatt )
"Er kann es einfach. Er kann tüfteln, basteln und kreieren. Er kann komponieren, improvisieren, arrangieren und produzieren. Nicht alles aus seinem immensen Output besteht dabei die Qualitätskontrolle. Doch immer wieder fördert Johannes Enders wahre Perlen zu Tage. Zuletzt mit "Dome" (feat. Nils Petter Molvaer) und jetzt mit "Random Guru" zwei echte Feinkost-Konserven im Abstand von einem halben Jahr abzuliefern, verweist auf eine äußerst kreative Phase in seinem Schaffen. (Kai Kopp - laut.de)
